Emotionale Neugier und epistemische Dinge

Strukturähnlichkeit zwischen Paul J. Silvias Interessentheorie und Hans-Jörg Rheinbergers Epistemologie

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Theorievergleich als Methode
  3. Paul J. Silvias Theorie des Interesses
  4. Hans-Jörg Rheinbergers Epistemologie
  5. Strukturvergleich der beiden Theorien
  6. Emotionsgeleitete Epistemologie
  7. Schluss
  8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Um gute Wissenschaft zu leisten, sollen Forscher*innen emotionslos sein, so lautet Bernard Barbers (1952) Ergänzung zu Robert K. Mertons (1949) Normen. Selbst wenn die Emotionslosigkeit durch Ian I. Mitroffs (1974) Gegennormen bereits relativiert wurde, besteht dieser Anspruch bis heute. Und trotz des Wiederauflebens der Erforschung von Emotionen (Bericat 2016; ein Beispiel dafür ist Koppmann/Cain/Leahey 2015), auch im Feld der Wissenschaftsforschung (Bloch 2002, 2012; Koppman et al. 2015, Parker/Hackett 2014), wurde die der Wissenschaft eigentümliche Emotion1 – Neugier – dabei vernachlässigt. 

Die allgemeine Literaturlandschaft zu Neugier zerfällt in Bereiche, die sich nicht aufeinander beziehen. In der geschichtswissenschaftlich arbeitenden Wissenschaftsforschung wird Neugier nicht als Forschungsgegenstand betrachtet, sondern eher als Erklärung herangezogen (Mocek 1988; Huff 2020), oder der Wandel des Fokusses der Neugier wird beschrieben (Daston 2001). Ein weiterer Bereich sieht Neugier als Motivation an; dabei ist Neugier die Bedingung, unter der sich ein spezieller Habitus herausbildet (Franzman 2012). Ebenfalls als dazugehörend kann eine Arbeit aus der pädagogischen Psychologie angesehen werden, in welcher Neugier charakteristisches Handeln antreibt (Schmid 2008). Zur Literaturlandschaft gehören auch Arbeiten, die die soziale Eingrenzung des Wissenstriebs und damit der Neugier betrachten (Baisch/Koch 2010; Nowotny 2005). In der Philosophie hat sich ein eigener Zweig entwickelt — die Epistemic Emotion — der Emotionen als essentiellen Bestandteil des Erkenntnisprozesses betrachtet (Brun et al. 2008; Morton 2009). Wie diese Übersicht zeigt, gestaltet sich die Literatur in der Wissenschaftsforschung als stark heterogen und unvereinbar, weil der Gegenstand unklar ist. Allerdings nicht nur dort, sondern auch in der Psychologie herrscht keine Einigkeit darüber was Neugier sei (Peterson/Seligman 2004; Kidd/Hayden 2015; Silvia/Kashdan 2009). Neugier kann und wird dort als Emotion, Charaktereigenschaft oder als Motivation verstanden.

Da Neugier sich als Thematik zu heterogen gezeigt hat, um direkt darauf aufzubauen, wird im Folgenden ein Schritt zurück auf die Emotionsebene gegangen. 

Neugier taucht nicht in jeder Emotionsklassifikation auf (Silvia 2008b: 37). Wenn Neugier als Emotion aufgefasst wird, wird sie allgemein als eine positive Emotion beschrieben (Kashdan 2004: 126; Robinson 2008: 157), die sich auf Objekteigenschaften bezieht und sich in einem explorativen Verhalten zeigt (vgl. Robinson 2009). Ähnlich unzuverlässig lässt sich Interesse als Synonym von Neugier in Emotionsklassifikationen finden. So schreibt Todd B. Kashdan in seiner Arbeit, “Curiosity and interest are sometimes used interchangeably.“2 (2004: 126) Selbst wenn Interesse und Neugier als eine einzige Emotion angesehen werden, ist das keine Garantie, dass in jeder Klassifikation eine der beiden auftaucht. Ebenso lassen sich auch beide gleichzeitig in einer Klassifikation finden (z.B. bei Robinson 2008), was einen Kategorienfehler vermuten lässt. In den zeitlich späteren Arbeiten von Todd B. Kashdan in Kooperation mit Paul J. Silvia entwickelt sich die Haltung, dass Neugier und Interesse nicht nur gegeneinander austauschbar sind, sondern als dasselbe angesehen werden (Silvia/Kashdan 2017).3 Diese identische Übereinstimmung ist die Grundannahme der vorliegenden Arbeit, trotzdem werden im Folgenden sowohl Neugier als auch Interesse synonym genutzt und nicht auf einen Begriff reduziert.

In einem der Schlüsseltexte zur Verbindung von Emotionsforschung und Wissenschaftsforschung der vergangenen Dekade erwähnen die beiden Autoren John N. Parker und Edward J. Hackett (2014) weder Neugier noch Interesse als Emotion, was eventuell dem überblicksartigen Charakter des Textes geschuldet ist. Die entscheidende Aussage ihres Textes für die vorliegende Arbeit ist, dass sie das Fehlen einer eigenen Emotionstheorie der Wissenschaftsforschung diagnostizieren und bemängeln; letzteres vor allem aufgrund der zunehmenden Häufung von Verbindungen zwischen Wissenschaftsforschung und Emotionen als Thema. Parker und Hackett (2014) stellen allerdings keine Überlegungen an, wie man zu solch einer Theorie kommen sollte. An dieser Stelle kommt Neugier, wie meine Arbeit zeigen wird, eine zentrale Rolle zu. Sie kann als Brücke zwischen Emotionstheorie und Wissenschaftsforschung dienen. Als Fundament kann dabei eine im Weiteren dargelegte Strukturähnlichkeit zwischen Paul J. Silvias Interessentheorie (2005, 2006, 2008a, 2008b) und der Epistemologie von Hans-Jörg Rheinberger4 (1997, 2001, 2006a, 2006b) dienen, welche sich in der Auseinandersetzung mit der vorgestellten Literatur abzeichnet.

Durch diesen Umstand lautet die erkenntnisleitende Fragestellung dieser Hausarbeit:

Welche Strukturähnlichkeit zeigt die Interessentheorie von Paul J. Silvias mit Hans-Jörg Rheinbergers Epistemologie? 

2. Theorievergleich als Methode

Die aufgestellte Forschungsfrage soll durch einen Theorievergleich beantwortet werden. Christian Seipel (1999: 32) unterteilt Theorievergleiche grundlegend in zwei Varianten: der logische und der empirische Vergleich. Dazu führt er aus: „Der logische Theorienvergleich orientiert sich an den Kriterien der Widerspruchsfreiheit (logische Konsistenz), der Nicht-Analytizität und des Informationsgehalts, beim empirischen Theorienvergleich geht es um die Wahrheitsähnlichkeit im Sinne des empirischen Bewährungsgrades und um die Determinationsstärke.“ (Seipel 1999: 32) Seipel orientiert sich bei seiner Auswahl zu vergleichenden Theorien an dem Explanandum, welches die Theorien erklären sollen (Seipel 1999: 40). Insofern kann der empirische Theorievergleich von Seipel (1999) hier nicht als Methodik übernommen werden. Beide hier untersuchten Theorien können zwar auf ein Explanandum angewendet werden, aber sie erheben nicht den Anspruch darauf, dasselbe zu erklären. Erst mit der Behauptung einer Ähnlichkeit lassen sie sich auf den gleichen, konkreten Fall anwenden. Zwar wäre es möglich, jeweils ein Beispiel einer Theorie zu benutzen und es mit der anderen Theorie zu erklären; die von Silvias genannten Beispiele wie Gedichte, Bilder und Musik sind dafür aber nicht praktikabel, da sie keine Untersuchungshandlungen ermöglichen. Während mit Silvias und Rheinbergers Theorien nicht nur unterschiedliche Explananda erklärt werden, entstammen diese Theorien auch zwei unterschiedlichen Fächern. Damit fußen beide Theorien auf unterschiedlichen Paradigmen. Nach Seipels (1999: 27) Verständnis von Kuhns (1989) Inkommensurabilitätsthese lassen sich die beiden Theorien deshalb gar nicht miteinander vergleichen.5 Diese interparadigmatische Kluft überwindet Seipel (1999: 26ff.) durch „Metaparadigmen“. Dabei teilt er die Theorien der Soziologie in zwei Gruppen von Metaparadigmen auf; die erste ist eine naturwissenschaftliche und die zweite eine hermeneutische (Seipel 1999: 29). Seipel definiert die zwei Gruppen wie folgt:

„1) Sozialwissenschaftliche Theorien, die explizit mit dem Anspruch formuliert wurden, sich einer quantifizierenden empirischen Überprüfung zu stellen […] 2) sozialwissenschaftliche Theorien, die diesen Anspruch nicht erheben und andere Methoden des Erkenntnisgewinns (Verstehensansatz, funktionale Erklärung) bevorzugen.“ (Seipel 1999: 27)

Hier könnte Silvias Theorie der ersten Gruppe zugeschrieben werden und Rheinbergers der zweite Gruppe. Allerdings stellt Seipel (1999) ohnehin die Unvergleichbarkeit dieser beiden Theoriegruppen fest, womit dieser Weg nicht weiterführt.

Neben dem verworfenen Ansatz von Seipel zum Theorievergleich gibt es eine andere Möglichkeit, die noch betrachtet werden sollte: Jürgen Klüvers (1991) Theorienarchitektur. Wie Seipel pointiert beschreibt, versteht Klüver: “[…] soziologische Theorien als vertikale geschichtete Systeme […], die aus einer logischen primären Ebene, der sog. Basisebene, und mindestens einer weiteren Ebene, die die sozialen Phänomene enthält, die von der Basisebene erklärt werden sollen, bestehen.” (Seipel 1999: 30) Klüvers (1991) Theorienarchitektur eignet sich aus zwei Gründen nicht für den Vergleich: Sowohl die Überführung der Theorien in Klüvers Schema, als auch dessen grobe Auflösung würden die Idiosynkrasie der zu vergleichenden Theorien verwischen.

Wie gezeigt wurde, ermöglichen die beiden vorgestellten Wege keinen Theorievergleich für Strukturähnlichkeit, weswegen nun ein eigenes Vorgehen beschrieben wird. 

Dafür werden nun die Aspekte Ziel des Vergleiches, Theorieauswahl und Vergleichskritierien diskutiert.

  1. Ziel des Vergleiches:

Der angestrebte Theorievergleich ist weder ein logischer noch empirischer Vergleich (s.o.), dessen Ziel laut Seipel der Fortschritt durch Elimination, Modifikation oder Verbindung der Theorie(n) ist (1999: 20). Auch lässt es sich nicht zeigen, welche der beiden Theorien besser geeignet ist einen Explanandum zu erklären, da sie dies für unterschiedliche Gegenstände tun. Daher ist das Ziel die Stärke der Strukturähnlichkeit zwischen Silvias Interessentheorien und Rheinbergers Epistemologie herauszuarbeiten. Mögliche Resultate hängen von der aufgefundenen Stärke ab, somit sind Ergebnisse denkbar wie eine Verschachtelung, eine Reduktion oder eine Synergie der zwei Theorien. 

  1. Theorieauswahl:

Die Theorie von Paul J. Silvia, basiert auf der Appraisal Theory (s.u.), welche zu allgemein wäre, um sie als Vergleichstheorie zu wählen. Neben Silvias Theorie zu Interesse gibt es ebenso George Loewensteins (1994) Ansatz der “Wissenslücke” zur Erklärung von Neugier bzw. Interesse. Die “Wissenslücke” ist als Theorie nicht im selben Maße präzise wie Silvias Theorie, da es mehr “Wissenslücken” als Objekte von Interesse gibt. Nur weil eine Wissenslücke besteht, löst dies nicht zwangsweise Interesse aus. Zudem ist Loewensteins Theorie aus dem Standpunkt des Wissens und nicht aus der Emotion heraus aufgebaut, womit die Absicht einer Emotionstheorie der Wissenschaftsforschung verfehlt wäre. Durch die Hypothese der Strukturähnlichkeit verspricht Rheinbergers Theorie für den Vergleich ein fruchtbares Ergebnis. Grundsätzlich könnten auch andere Theorien in Frage kommen, wenn eher auf ein rigoroses und nicht auf ein ökonomisches Vorgehen gesetzt wird. Allerdings würde dies den Umfang der vorliegenden Arbeit sprengen. 

  1. Vergleichskriterien:

Mögliche Kriterien wie z.B. Entstehungszeitpunkt und -kontext, Reichweite, Erklärungskraft usw. entfallen, weil die Struktur der Theorien verglichen wird und somit die genannten Kriterien hierfür nicht zielführend sind. Allerdings bedeutet dies nicht, dass keine Kriterien angewendet werden. Für den angestrebten Vergleich leiten sich diese aus der Idee einer Struktur ab, die den Theorien zugrunde liegt. Was heißt hier Struktur? Laut dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache bedeutet Struktur: „Art, wie die Teile eines Ganzen, die Elemente eines Systems miteinander verknüpft sind, zueinander in Relation stehen, innerer Aufbau, innere Gliederung eines Ganzen, Organisation eines Systems“ (Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, „Struktur“, abgerufen am 30.12.2020) D.h. für den Vergleich: Begriffe der Theorien bestimmen und deren Relation aufzeigen, um diese miteinander zu vergleichen. Denn Strukturähnlichkeit findet sich nur, wenn die Strukturen dargestellt werden.

Aus den angestellten Überlegungen kondensiert sich folgendes Vorgehen heraus: 

Ich werde zuerst die beiden Theorien nacheinander vorstellen, nachzeichnen und deren Struktur extrahieren. Begonnen wird mit Paul J. Silvias Theorie, gefolgt von Hans-Jörg Rheinbergers Epistemologie. Daraufhin werden die extrahierten Strukturen gegenübergestellt, um Parallelitäten und Unterschiede der beiden Theorien herauszuarbeiten. Die Ergebnisse werden schließlich verwendet, um Überlegungen zu einer möglichen Verschachtelung, Reduktion oder Synergie anzustellen.

3. Paul J. Silvias Theorie des Interesses

Paul J. Silvias (2007, 2008) Arbeiten zur Auslösung von Interesse basiert auf der Appraisal Theorie, die besagt, dass Emotionen durch Bewertung einer Situation ausgelöst werden (Lazarus 1991; Rosemann 2001; Scherer 2001; Smith/Ellsworth 1985; Smith/Kirby 2001). In dieser Sichtweise löst sich also die Verbindung von Gegenständen und Emotionen zugunsten situationeller Bewertung, und es bleibt zu fragen, welche Bewertungen Neugier erzeugen. In seinen Experimenten hat Silvia Objekte wie Gedichte, Bilder und Musik genutzt, die bei den Testpersonen unterschiedlich starkes Interesse ausgelöst haben.

Die Stärke varrierte dabei in Abhängigkeit von Vorwissen bzw. durch Wissen, das zwischen den beiden Befragungen dazugewonnen wurde. Silvia hat herausgefunden, dass zwei Bewertungen eintreten müssen, damit Interesse (Neugier) geweckt wird. Etwas, das Interesse (Neugier) weckt, muss erstens der Person als neu/unbekannt/komplex (original: new/complex) und zweiten als begreifbar/verstehbar (original: comprehensible) erscheinen (Silvia 2008). Durch Veränderung der Bewertungsgrundlage — durch neues Wissen — ist eine Neugier-Spirale möglich. D.h., durch die Untersuchung eines Gegenstandes (bzw. einer Thematik) wird neues Wissen erworben und damit werden auch neue Aspekte entdeckt, die wiederum mit dem neuen Wissen verständlicher werden (Silvia 2008). 

Die Spiral kann auch gestoppt werden, wenn bei der Bewertung einer der beiden oder gleichzeitig beide Aspekte nicht mehr erfüllt sind. Sollten nach der Untersuchung eines Gegenstandes (oder Themas) keine Aspekte mehr auftauchen, die neu/unbekannt/komplex sind, so sind die Bedingungen für ein weiteres Auslösen von Neugier nicht mehr erfüllt. Gleiches gilt, wenn eine zu hohe Komplexität erreicht wird, durch welche die Verständlichkeit abnimmt.

Umgekehrt lässt sich Neugier auch bewusst auslösen. Paul J. Silvia zeigt zwei Wege auf, um auch langweilige Aufgaben interessanter zu gestalten — also sich selbst neugieriger zu machen. Entweder man macht die Aufgabe mit Anderen (z.B. Freunden) oder man macht sie komplexer (Silvia 2008: 58). Ein Beispiel, wie man Neugier für Alltägliches wie bspw. Käfer wecken kann, wäre ihnen zu unterstellen, dass sie komplexe Wesen seien – und nicht einfach nur “ekelhafte“ Käfer (vgl. Daston 2001).
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Ausgangspunkt für Interesse kann alles sein. Damit allerdings Interesse bzw. Neugier ausgelöst wird, müssen zwei Bewertungen erfüllt sein. Es muss neu/unbekannt/komplex und als begreifbar/verstehbar für die Person erscheinen. Ist dies erfüllt, kann der Interesse/Neugier nachgegangen werden. Interesse bleibt erhalten, sofern die zwei Bewertungen selbst nach Erwerb von neuen Informationen wieder positiv ausfallen. Der Prozess stoppt erst, wenn eine oder beide Bewertungen negativ ausfallen.

4. Hans-Jörg Rheinbergers Epistemologie

Hans-Jörg Rheinberger entwickelte eine Epistemologie der empirischen Wissenschaft anhand seiner Fallstudie zur Krebsforschung von 1947 bis 1962. Dabei betrachtete Rheinberger die Forschung von Paul C. Zamecnik und seinem Team am Collis P. Huntington Memorial Hospital in Boston (Rheinberger 2006b: 7). Für seine Epistemologie verfolgt er nicht, wie es die vorherige Geschichtswissenschaft taten, die Idee, sondern wendet sich den Objekten bzw. den Materialien im Labor zu, wie z.B. Reagenzgläsern, Zentrifugen oder Aminosäuren (2006b: 7). Die wesentlichen Begriffe, die er dazu nutzt, sind Experimentalsystem, epistemisches und technisches Ding. Dabei definiert Rheinberger das Experimentalsystem als die Rahmenbedingungen der Forschungstätigkeit (2006b: 26). Dieses System umfasst das epistemische Ding und die technischen Dinge (2006b: 27). Von technischen Dingen kann im Plural gesprochen werden, je nachdem wie detailliert das Experimentalsystem beschrieben werden soll. Diese Dinge können z.B. Instrumente, Aufzeichnungsapparaturen oder standardisierte Modellorganismen sein (2006b: 29). Im technischen Ding als Experimentalbedingung oder stabile Umgebung wird das epistemische Ding eingefasst (2006b: 29). Erst in dieser stabilen Umgebung kann sich das epistemische Ding zeigen (2006b: 29). Dadurch bestimmt das technische Ding auch mögliche Reichweiten und Formen eines epistemischen Dinges (2006b: 29). Was kann nun als epistemisches Ding6 verstanden werden? Nach Rheinberger müssen das nicht ausschließlich Objekte sein, es sind auch Strukturen, Funktionen oder Reaktionen denkbar (2006b: 27). Hier wird erneut ersichtlich, dass er den Begriff “Ding“ nicht näher bezeichnen will und sich auf alles beziehen kann, Gegenstände, Materialien, Strukturen usw.7 Rheinberger definiert es als Ziel der Forschungshandlung oder in seinen Worten: “Epistemische Dinge sind die Dinge, denen die Anstrengung des Wissens gilt […].” (Rheinberger 2006b: 27) 

Die bisherigen Beschreibungen zeichnen noch nicht das besondere an Rheinbergers Epistemologie aus. Diese liegt in der flexiblen Zuschreibung der Begriffe (epistemisches und technisches Ding). Was ein technischen bzw. epistemischen Ding ist, steht nie abschließend fest: “So hängt es weitgehend vom experimentellen Kontext ab, ob ein radioaktiv markiertes Molekül als technisches Analysewerkzeug anzusehen ist oder ob es sich dabei um das epistemische Ding handelt, das gerade erforscht werden soll.” (Rheinberger 2006b: 38)

Je nach Richtung des Wechsels gibt es bestimmte Bedingungen, die erfüllt werden müssen. Damit ein epistemisches Ding zu einem technischen Baustein bzw. Ding werden kann, muss es ausreichend stabilisiert sein (2006b: 29). Für die umgekehrte Richtung, also den Wechsel eines technischen Dings zu einem epistemischen Ding, muss es “[…] im instrumentellen Gebrauch unerwartete Fragen aufwerfen.” (Rheinberger 2006b: 314)

Zusammengefasst: Ausgehend vom Experimentalsystem wird dieses unter- und eingeteilt in epistemisches Ding und technische(s) Ding(e). Dazu wird unterschieden, welches Ding Fragen aufwirft (epistemisches Ding) und welches stabil in seinen Parametern bleibt (technisches Ding). Nachdem das Experiment durchgeführt wurde, kann es wiederholt werden, weil die Frage nicht beantwortet wurde oder weil dabei andere Dinge Fragen aufgeworfen haben. Bei der Wiederholung und am erneuten Anfang des Prozesses kann das Experimentalsystem geändert bzw. neu konzipiert werden.

Nachdem nun beiden Theorien, Silvias Interessentheorie und Rheinbergers Epistemologie dargestellt wurden, widme ich mich dem Vergleich.

5. Strukturvergleich der beiden Theorien

Der Strukturvergleich beginnt mit den groben Unterschieden der beiden vorgestellten Theorien und verfeinert sich zum Ende hin über Gemeinsamkeiten und Grundlegendes. Auf der Ebene des Faches ist Silvias Theorie in der Psychologie zu verorten, Rheinbergers Epistemologie entsteht aus einer geschichtswissenschaftlichen Perspektive auf die Biologie. Bei den Bezugsgegenstände lässt sich festhalten: Silvias Objekte waren Gedichte, Bilder und Musik, während Rheinberger sich z.B. auf Reagenzgläser, Zentrifugen oder Aminosäuren bezog.

Trotz der groben Unterschiede lassen sich Gemeinsamkeiten benennen. Beide Theorien schreiben Objekten bestimmte Eigenschaften zu. Grundlegend sind diese Zuschreibungen das Resultat von dynamischen Bewertungen und lassen sich nicht final bestimmen. Dies führt dazu, dass der Bewertungsprozess immer wieder durchlaufen werden kann. Dieser Bewertungsprozess kann als iterative Schleife aufgefasst werden. Denn dieselben Objekte werden mitunter beim ersten Prozessdurchgang noch als “interessant/epistemisches Ding” und, nach der Auseinandersetzung damit, im zweiten Durchlauf als “uninteressant/technisches Ding” bewertet. Ebenso gehen beide Theorien von einem Subjekt aus, welches seine Umwelt bezeichnet.8 Die Objekte selbst können so nicht zu epistemischen Dingen oder zu interessanten Dinge werden, sondern müssen immer von Subjekten dazu erklärt werden. 

Die jeweiligen Schwerpunkte beider Theorien liegen an unterschiedlichen Stellen. Bei Silvia ist der Schwerpunkt die Bewertung der Interessenstärke, während Rheinberger auf die Unterteilung, welches Objekt momentan ein epistemisches oder technisches Ding ist, mehr Wert legt. Silvias hat in seiner Struktur zwei Bewertungspunkte, die für das Ergebnis “interessant” jeweils positiv ausfallen müssen. Dagegen funktioniert Rheinbergers Bewertung und Einteilung nur dichotom. Ein Ding kann nicht epistemisch, also Fragen aufwerfend, und gleichzeitig technisch und stabil sein.

Das Ergebnis des Strukturvergleiches lässt sich wie folgt festhalten: Beiden Theorien zeigen auf der Makroebene einen ähnlichen Prozess, nämlich eine iterative Schleife, während sie auf der Mikroebene, also im inneren Ablauf der Schleife, unterschiedlich aufgebaut sind.

Durch das Ergebnis lassen sich die anfänglich genannten möglichen Resultate des Vergleiches – eine Verschachtelung, eine Reduktion oder eine Synthese der beiden Theorien – nun auf eine festlegen: eine Verschachtelung. So bietet das Vergleichsergebnis die Möglichkeit der Verbindung beider Theorien, in dem Silvias Interessentheorie in Rheinbergers Epistemologie eingebaut wird.

6. Emotionsgeleitete Epistemologie

Wie im Strukturvergleich gezeigt wurden, sind die beiden Theorien ähnlich genug, um sich nicht zu widersprechen, aber doch ausreichend unterschiedlich, um sich bei einer Verbindung zu ergänzen. Für die Verbindung ist das Verhältnis entscheidend. Rheinberger beschreibt Forscher*innen, während Silvia als Psychologe keine gruppenspezifische Unterscheidung vornimmt. Damit kann Silvias Interessentheorie Bestandteil von Rheinbergers Theorie werden, weil die Interessentheorie einen Teil der Epistemologie expliziter erklären kann. Genauer formuliert, wird Silvias zweistufiger Bewertungsprozess von neu/unbekannt/komplex und begreifbar/verstehbar zur Grundlage der Rheinbergerschen Einteilung in epistemisches Ding und technische Dinge. Somit sind interessante Dinge epistemische Dinge. Allerdings heißt das nicht, dass alle epistemische Dinge direkt auch interessante Dinge sind. Denn selbst mit der Ergänzung beschreibt Rheinbergers Theorie weiterhin die wissenschaftliche Praxis im Labor, aber auch nur dort. Um die Tätigkeit von Geisteswissenschaftler*innen damit zu beschreiben bedarf es einer weiteren Entwicklung. Diese kann jedoch von der hier entwickelten ergänzenden Epistemologie von Rheinberger nicht vorgenommen werden.

Neben der Zunahme der Beschreibungstiefe der kombinierten Theorien, bringt die Interessentheorie auch Eigenschaften ein, die erhalten bleiben. Insbesondere ist dies die Erklärung von inter- und intrapersonalen Unterschieden von Bewertungen über die Zeit. Was bisher bei Rheinberger die Unterteilung von “wirft Fragen auf” (epistemisch) und “ist stabil” (technisch) war und sich auf Dinge bezog, kann nun in Kombination mit dem bewertenden Subjekt gedacht werden. Damit ergeben sich perspektivisch neue Überlegungen: Für wen wirft es Fragen auf und für wen nicht? Also für welche der Forschenden ist etwas neu/unbekannt/komplex und begreifbar/verstehbar und wird so zum epistemischen Ding wird? Ebenso lässt sich damit adressieren, welche Informationen die Forschenden sich gegenseitig mitteilen, um die Bewertungsgrundlage anderer involvierter Personen zu ändern. Was dem einem noch als untersuchungswürdig erscheint, kann für die nächste schon als technisches Ding dienen, da sie dieses Ding bereits gut kennt und deshalb nicht mehr als neu bewertet. 

Hiermit seien nur ein paar Fragen formuliert, die zu beantworten die hier entwickelte Emotionstheorie der Wissenschaftsforschung zu anstreben kann.

7. Schluss

Die Arbeit konnte Ähnlichkeiten zwischen der Interessentheorie von Paul J. Silvia und der Theorie von Hans-Jörg Rheinberger aufzeigen, zwei eigentlich sehr unterschiedlichen Theorien aus ebenfalls unterschiedlichen Disziplinen. Beide zeigen sich strukturell als iterative Schleifen. Dies ermöglichte eine Verbindung der Theorien zu einer Emotionstheorie der Wissenschaftsforschung. So bietet sich der Wissenschaftsforschung, durch die Kombination einer kanonischen Theorie (Rheinberger) mit einer Theorie aus einer bisher wenig berücksichtigten Disziplin wie der Psychologie (Silvia), ein neuer Ansatz. 

Nach dem vorgelegten Schema lassen sich, durch den Vergleich von anderen Theorien aus der Wissenschaftsforschung mit weiteren Emotionen, die sich im Kontext der Appraisal-Theorie fassen lassen, eventuell weitere Emotionstheorien der Wissenschaftsforschung formulieren. Damit wäre Neugier nicht mehr die einzige Emotion in dieser Theorielandschaft. 

Neben einer Erweiterung wäre ein Abgleich eine zusätzliche, interessante Aufgabe. Wie einleitend erwähnt, haben Parker und Hackett (2014) zahlreiche Verbindungen zwischen Emotionen und Wissenschaftsforschung in ihrem Artikel aufgeführt. Welche lassen sich nun mit der herausgearbeiteten Neugier-Theorie der Wissenschaftsforschung zusammenfassend beschreiben? Und welche ungeklärten Verbindungen verlangen andere Emotionstheorien?

8. Literaturverzeichnis

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Whitesides, George M. (2018): Neugier und Wissenschaft. Angewandte Chemie 130(16), S. 4192–4196.„Struktur“, DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, hrsg. v. d. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, https://www.dwds.de/wb/Struktur (zugegriffen am 30.12.2020).

Fußnoten

  1. Zur Verbindung von Wissenschaft und Neugier siehe Whitesides 2018; Nowotny 2005; Baisch/Koch 2010; Franzmann 2012 ↩︎
  2. Dieser Umstand hat vielleicht auch zu der oben aufgezeigten heterogenen Literaturlandschaft 
    geführt. ↩︎
  3. Es ist denkbar, dass Neugier und Interesse zwar dasselbe sind, sie sich aber als zwei Pole einer Linie darstellen und sich durch die Intensität der Emotion unterscheiden. Interesse wäre eine Emotion mit geringer Intensität und Neugier entsprechend mit hoher Intensität. ↩︎
  4. Im folgenden wird Rheinberges Epistemologie auch manchmal vereinfacht als Theorie bezeichnet. ↩︎
  5. Kuhn schloss mit seiner Inkommensurabilitätsthese keinen Vergleich per se aus. Allerdings waren für ihn die Vergleichsparameter eher Einfachheit, Genauigkeit, interne und externe Konsistenz (vgl. das Postscript bei Kuhn 1970) ↩︎
  6. Der Begriff “Ding” ist hier weit gefasst und beschränkt sich nicht auf handfeste Artefakte. ↩︎
  7. In diesem Kapitel wurden bereits folgende Wörter benutzt als jeweiliges Beispiel für Ding: Reagenzgläser, Zentrifugen oder Aminosäuren; Instrumente, Aufzeichnungsapparaturen oder standardisierte Modellorganismen; Strukturen, Funktionen oder Reaktionen. ↩︎
  8. Im Kontrast dazu wäre die Akteur-Netzwerk-Theorie von Bruno Latour (2003) zu nennen, in der dies nicht passiert. ↩︎

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